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Autochthone Rebsorten

Autochthone Rebsorten sind wertvolle lokale Traubensorten, die weltweit meist in nur einem Anbaugebiet in bedeutendem Ausmaß vertreten sind. Dort werden sie oft seit Jahrhunderten angebaut und sind auf die vorherrschenden Klima- und Bodenverhältnisse optimal eingestellt. Oft erleiden sie das Schicksal, als Verschnittpartner in zahlreichen Weinen unerkannt zu bleiben. Dies mag mit zu den Gründen zählen, dass sie - im wahrsten Sinne des Wortes – zwar mit ihren ursprünglichen Regionen verwurzelt sind, international aber eher unbedeutend geblieben sind. Mit dem weltweit zunehmenden Trend zu Rebsorten, wie Merlot, Cabernet Sauvignon oder Chardonnay, die fast überall auf der Welt angebaut werden, kämpfen die autochthonen Vertreter oft ums Überleben. Wir wollen helfen, sie zu entdecken und vor dem Aussterben zu bewahren.

Barbera

Der Anbau von Barbera besitzt eine jahrhundertlange Tradition in Italien, denn bereits im 13. Jahrhundert wurde diese Rebsorte in Monteferrato im Piemont angebaut. Neben dem Piemont, sind die Lombardei und die Emilia Romagna Anbaugebiete, in denen Barbera noch heute die wichtigste rote Rebsorte ist. Hier wird sie reinsortig ausgebaut und macht sich einen Namen als Barbera del Monferrato, Barbera d’Asti oder Barbera d’Alba, wohingegen sie im restlichen Italien überwiegend als Verschnittrebsorte verwendet wird.

Bobal

Die traditionelle Rebsorte Bobal ist neben dem Tempranillo der bedeutendste, aber eher vernachlässigte Bestandteil der spanischen Rotweinkultur. Besonders in den Gebieten Alicante und Utiel-Requena ist sie heimisch. Ihre dickschaligen, saftigen Beeren ergeben tiefrote Weine mit guter Säurestruktur, die oft in einem Tempranillo „verschwinden“. Allerdings macht sich Bobal seit einiger Zeit als Rebsorte für bemerkenswerte Roséweine einen Namen.

Cannaiolo

Die rote Rebsorte wurde über viele Jahrhunderte in Mittelitalien angebaut. Durch den Reblausbefall Ende des 18. Jahrhunderts ist Cannaiolo nahezu verschwunden. Heute ist sie neben Sangiovese die bekannteste Rebsorte im Traditionsrezept des berühmten Chianti Classico. Sie verleiht ihm weiche Tannine und mildert den Chianti in der Säure. Nur noch vereinzelt sind reinsortige Cannaiolo Weine zu finden.

Carignan

Aus der spanischen Stadt Cariñena in Aragonien stammend, verbreitete sich die sehr alte rote Rebsorte im 12. Jahrhundert in Europa aus. Heute ist die Carignanrebe im wahrsten Sinne des Wortes tief verwurzelt in den Böden des Languedoc in Südfrankreich. Ihre Weine haben Farbe, Säure und Tannine und werden um so besser, desto älter die Stöcke sind. Mit Feingefühl und Erfahrung gelingt es, die verhaltene Aromatik hervorzulocken.

Cinsault

Eine alte, rote Rebsorte, die im Süden Frankreichs ihre Verbreitung hat. Die tiefdunkle und aromatische Rebsorte ist Verschnittpartner in Weinen mit so klangvollen Namen wie Châteauneuf-du-Pape. Cinsault eignet sich allerdings auch gut zur Herstellung von milden, aromatischen Rosés. Während die Anbaufläche in der französischen Heimat immer weiter schwindet, hat sich in Südafrika mit der Kreuzung von Cinsault und Pinot Noir die relativ junge Rebsorte Pinotage etabliert, die dort heute eine größere Bedeutung hat als die Cinsault selbst.

Elbling

Seit den Zeiten der Römer ist die weiße – manchmal als altmodisch empfundene - Rebsorte in Deutschland beheimatet. Als eine der ältesten Rebsorten Mitteleuropas erlebte sie ab dem 17. Jahrhundert die Verdrängung durch Riesling und Silvaner. Heute ist die eher neutral bis fruchtig ausgeprägte und säurestarke Rebsorte vorwiegend in der Sektgrundweinherstellung gefragt. Der Anbau ist fast ausschließlich auf den Bereich Mosel beschränkt.

Fiano Minutolo

Fiano Minutolo ist eine sehr alte Weißweinrebsorte, die beinahe komplett aus den Weinbergen verschwunden ist. Die Fiano Minutolo wird vorwiegend in Süditalien, in den Regionen Kampanien und Apulien angebaut. Schon die Römer kultivierten diese Rebsorte, die sie nicht nur wegen ihres kräftig würzigen Honig- und Nussaromas und der langen Lagerfähigkeit mochten. Ihr wird auch eine besondere Anziehungskraft auf Bienen (lat. apis) nachgesagt, weshalb sie die Römer auch Vitis apiana nannten.

Gaglioppo

Die antike Rebsorte Gaglioppo wird hauptsächlich in Kalabrien (Süditalien) angebaut. Die Trauben wachsen seit mehr als 3000 Jahren an den Weinstöcken von Ciró, der antiken Crimissa. Sie gedeiht in trockenem, heißen Klima, erreicht so einen hohen Zuckergehalt. Ihre Weine, die einen hohen Alkoholgehalt erreichen, werden häufig in geringem Maße in andere Weine verschnitten.

Garganega

Die weiße Rebsorte Garganega gehört zu den spät reifenden Rebsorten und ist vor allem in der Region Venetien in Nordostitalien, aber auch in Umbrien oder dem Friaul beheimatet. In ihrer langen Geschichte hat sie unzählige Unterarten hervorgebracht. Sie spielt eine bedeutende Rolle in bekannten Weinen wie dem Soave oder dem Bianco di Custoza. Reinsortig ausgebaute Weine belohnen bei entsprechender Ertragsbegrenzung mit einem leichten Duft von Zitrone oder Mandel.

Graciano

Diese im spanischen Rioja und Navarra verbreitete rote Rebsorte ergibt sehr dunkle, aromatische und kräftige Weine mit guter Säurestruktur und Langlebigkeit. Graciano gilt als sehr ertragsarm und ist in geringem Ausmaß ebenfalls auf Sardinien und Südfrankreich vorhanden. Vom Aussterben bedroht, hat sie in Spanien als Verschnittpartner des klassischen Rioja durch die DOCa Klassifizierung des Rioja wieder an Boden gewonnen. Es gib Bodegas, die Graciano auch rebsortenrein ausbauen.

Grecanico

Ein Vorfahre der Grecanico wurde wahrscheinlich von den Griechen bei der Kolonisation schon lange vor der Zeitenwende auf die Insel Sizilien gebracht. Die weiße Rebsorte wird hier in der Provinz Trapani kultiviert. In ihrer Aromatik ähnelt sie dem französischen Sauvignon Blanc. Grecanico wird für frische, neutrale Tafelweine verwendet, die im Geschmack eher pikante Johannis- und Stachelbeeraromen, häufig auch „grüne “ Noten und einen unnachahmlichen Mineralton zeigen.

Groppello

Groppello ist eine alte rote Rebsorte aus Norditalien. Das letzte nennenswerte Anbaugebiet liegt am südwestlichen Ufergebiet des Gardasees bei Brescia. Hier wurde Groppello erstmals im Jahr 1250 urkundlich erwähnt. Man geht jedoch davon aus, dass die Rebe dort seit deutlich mehr als 1000 Jahren zur Weinbereitung verwendet wird. Sie bringt feine, rubinrote Weine mit eleganter Säure, weichen Tanninen und einer ausgeprägten, frischen Frucht hervor. Die Winzer am Gardasee bezeichnen sie daher auch als „ihren Pinot Noir“.

Kékfrankos

Kékfrankos ist der ungarische Name und die wörtliche Übersetzung der im 18. Jahrhundert erstmals in Österreich nachgewiesenen und als Blaufränkisch bezeichneten Rotweinrebsorte. Während Kékfrankos in Deutschland unter dem Namen Lemberger in die Gläser kommt, wird er unter dem Synonym Franconia in Italien, Gamé in Bulgarien, Burgund Mare in Rumänien und unter dem Synonym Crna Frankovka in Kroatien ausgebaut. Die Ungarn pflanzen ihren Kékfrankos hauptsächlich im Weinbaugebiet Sopron, am Südufer des Neusiedler Sees, am Plattensee und im Villány, dem südlichsten Weinbaugebiet Ungarns an. Vor allem im Sopron an der Grenze zu Österreich bringt die Rebsorte kräftige, fruchtige und vor allem charaktervolle Rotweine mit Aromen von Kirschen und dunklen Beeren hervor.

Macabeu

Macabeo (spanisch) bzw. Macabeu (katalanisch) ist zwar die in Nordspanien am häufigsten angebaute Weißweinrebsorte (im Rioja nimmt sie unter dem Synonym Viura sogar 90% der Weißweinfläche ein), doch wird sie vor allem als Verschnittpartner verwendet und selten sortenrein ausgebaut. Weltweit schätzt man die bestockte Rebfläche dieser vermutlich aus dem Nahen Osten stammenden autochthonen Rebsorte auf rund 60.000 ha. Die äußerst hitzeverträgliche Macabeu zählt vor allem in Kataloniens Region Penedès zu den wichtigsten Sorten für den beliebten spanischen Schaumwein Cava.

Monastrell

Die alte spanische, rote Rebsorte Monastrell, in Frankreich als Mourvèdre bekannt, wird hauptsächlich als Cuveépartner genutzt. Vor dem Auftreten der Reblaus waren mit dieser hochwertigen Sorte große Teile Südfrankreichs bestockt, die dann später durch modernere Rebsorten ersetzt wurden. Heute findet man sie reinsortig ausgebaut in Frankreich nur noch um Bandol und in den eher heißen Gegenden Spaniens wie Jumilla oder Yecla. Die Rebe treibt spät aus und braucht zum Ausreifen viel Sonne. Nur dann werden ihre Tannine elegant und geschmeidig.

Monica

Monica ist eine rote Rebsorte, die zu den ältesten und traditionellsten auf Sardinien gehört. Vermutlich stammt die Traube aus Spanien und hat sich später durch Mönche (monaca) über die ganze Insel verbreitet. Ihre Heimat sind die offenen Wein-Felder, inmitten riesiger Granitfelsen, westlich des Gebirgszuges Limbara und östlich des azurblauen Meeres. Die spät reifende Monica liefert gleichmäßig hohe Erträge und dunkelfarbigen Wein von ordentlicher Qualität, der in Verschnitten für einen runden und vollen Geschmack sorgt.

Negroamaro

Negroamaro, auch Negramaro genannt, ist eine rote Rebsorte, die vor allem in der süditalienischen Region Apulien zu finden ist. Das bekannteste DOC-Gebiet für Negroamaro ist Salice Salentino. Dort wird diese Rebsorte seit Jahrtausenden angebaut und belegt insgesamt über 30.000 Hektar der Rebflächen. Negroamaro enthält reichhaltige Fruchtaromen nach schwarzer Johannisbeere und Kirsche. Bis vor kurzem wurde sie vor allem als Cuvéepartner eingesetzt. Mittlerweile werden die Trauben reinsortig zu ausgezeichneten, lebendigen Rosés und langlebigen und kräftigen Rotweinen ausgebaut.

Nero d’Avola

Die fast verschwundene, alte Rebsorte Nero d´Avola, ursprünglich aus Avola – einem kleinen Städtchen im Südosten Siziliens – erlebt gerade eine Renaissance. Auch sie wurde hauptsächlich als Verschnittpartner für andere Weine genutzt. Dabei liefert die „Schwarze aus Avola“ mit ihren kleinen, dünnhäutigen, intensiv violettfarbenen Trauben sehr farb- und alkoholstarke Weine, die hervorragend für den Barriqueausbau geeignet sind. Reinsortige Weine aus Nero d´Avola bringen Weine mit tiefem Rubinrot, elegantem und nachhaltigem Duft nach Waldbeeren und einem charaktervollen, sanften Geschmack mit ausgeglichenen Tanninen hervor.

Nielluccio

Die auf Korsika meistangebaute rote Rebsorte ist mit der in Italien kultivierten Sangiovese identisch und ergibt rassige, filigrane Weine mit einer kräftigen Struktur und Länge. Die Weine brauchen Zeit, um richtig auszureifen und harmonisch zu werden. Im Duft erinnern sie stark an Kirschen, Pflaumen, und manchmal Dörrobst. Nielluccio wird oft mit der interessanten, einheimischen roten Traube Sciacarello verschnitten.

Pecorino

Pecorino kann man in Italien gleich zweimal genießen: In fester Form als den berühmten pikanten Hartkäse und in flüssiger Form als Wein, denn die Namensvetterin Pecorino ist eine alte Weißweinrebsorte. Kultiviert wird sie vorwiegend in Mittelitalien, an der östlichen Adriaküste entlang in den Anbauregionen Marken und Abruzzen bis hin zu den im Landesinneren gelegenen Regionen Umbrien und Latium. Bei der überschaubaren Gesamtrebfläche von rund 200 ha befürchtet man, dass die Rebsorte bald ganz aus den Weinbergen verschwinden wird. Doch es bestehen Chancen, denn die trocken ausgebauten mineralischen Charakterweine sind allmählich wieder in Kommen.

Pinot Meunier (Schwarzriesling)

Als Pinot Meunier in Frankreich bekannt, ist die Rebsorte in den kühleren Regionen der Champagne besonders beliebt, da sie spät austreibt, früh reift und zuverlässige Erträge bringt. Kaum einer weiß, dass sie fast ein Drittel des Bestandes ausmacht, der zur Champagnerherstellung verwendet wird. In Deutschland als Müllerrebe oder Schwarzriesling bekannt. Der Name Müllerrebe rührt von der starken weißliche Behaarung der Blätter her, die wie mit Mehl bestäubt wirken.

Petit Verdot

Petit Verdot ist eine der klassischen roten Rebsorten aus dem Bordeaux, die heute kaum noch angebaut wird. Die Reben haben dickschalige Beeren, die gegen Fäule resistent sind und konzentrierte, dunkle, tanninreiche Weine liefern. In einigen qualitätsbewussten Weingütern erfährt sie eine Renaissance, ansonsten findet sie ausschließlich Verwendung in den Cuvées der französischen Region Medoc, aus der berühmte Bordeauxweine stammen.

Refosco

Die kräftige rote Rebsorte ist im Friaul (Nordostitalien) zu Hause und wird seit der Römerzeit kultiviert, genossen und beschrieben. Schon Plinius der Ältere soll die Rebsorte erwähnt haben. Die Trauben ergeben Weine von tiefdunkler Farbe mit pflaumiger Würzigkeit und Aromen von Mandeln.

Rouché

Rouché ist relativ unbekannt, erfreut sich aber zunehmender Beliebtheit. Sie ist im Piemont in Nordwestitalien zu Hause und wurde im 18. Jahrhundert aus dem Burgund eingeführt. In den 70er Jahren wurde die rare Sorte wieder eingeführt und wurde als Qualitätswein der Gemeinde Castagnole Monferrato in der Provinz Asti klassifiziert. Sie ergibt stark duftende, violett-rote Weine, deren Tannine einen leicht bitteren Nachgeschmack hinterlassen.

Tinta Roriz

Unter einem ihrer anderen Namen würden wir Tinta Roriz sofort als Klassiker der iberischen Halbinsel erkennen, in Spanien heißt sie nämlich Tempranillo. Im südportugiesischen Alentejo finden wir sie als Aragonez. Wichtigste Anbauzone in Portugal ist der Norden an den Hängen des Douro. Bekannt ist die Region für die atemberaubende Schönheit der Landschaft und für die Portweine, die nur dort entstehen. Auch Tinta Roriz wird für den Portwein gerne verwendet. Dass sich aus guten reifen Trauben nicht nur Süßweine machen lassen, ist eigentlich logisch. Immer mehr Winzer im Douro-Tal vinifizieren teils großartige trockene Rotweine.